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Ich bind' nur mein Schuh
© Jule Ronstedt , 1999
Mich interessiert - kein Kontakt ...mit ander'n Menschen
- vielleicht gar nackt. Mich lockt - keine Bar,
kein gutes Essen, kein Altar.
Ich brauch - kein Telefon,
keine Frau, keinen Sohn.
Mich langweilt viel,
jeder Film, jedes Gespräch, jedes Spiel.
Geld verdienen, Drogen nehmen, Politik und andere Themen, geben mir so wenig Sinn,
weil ich in meinem Glück – auf gewisse Art – bescheiden bin:

Ref.:(Tango!) Gegen Abend – so um acht –
(da) wird das Licht ausgemacht-
dann nehm ich Dich...mein Teleobjektiv...
und wir zwei – ganz subversiv-
schaun uns an, was die Nachbarn, sei es Frau oder Mann,
gegenüber und nebenan,
alles tun..., alles so tun...
Stehen wir dicht an der Wand,
sehen wir so allerhand,
was mir den Verstand und Atem raubt!
Dabei seh ich mir nur die andern an und hole mir .. – -
ihr Leben ganz nah ran.

1. Bei Meiers sieht ´s so dunkel aus,
sonst ist da immer wer zu Haus...
Jetzt sehe ich im Kerzenschein,
das kann nicht der Herr Meier sein.
Doch im Bett hat man ´s nett, sonst liegt Frau Meier da wie ´n Brett... (pfeifen...zum nächsten Fenster wandern)

2. Fräulein Doris kommt grad Heim,
heut 'scheint sie allein zu sein.
Sie schlüpft in ihre rosa Puschen und geht ...
leider erstmal duschen.
Das ist schad – weil das Bad, grad zum Hof kein Fenster hat... (pfeifen)

Ref. Wdh.: Gegen Abend – so um acht- – ...etc.

3. Wirklich lang schau ich nur zu Melanie,
habe ich sie scharf gestellt, krieg ich sofort weiche Knie.
Ihr halbes Leben habe ich ihr zugeschaut,
sogar die Wohnung umgebaut,
denn sie ist meine Telebraut.
Mein ganzes Geld hab ich in sie investiert,
weil sie mich so intressiert,
und sie sich vor nichts geniert.
Ich kenne an ihr jede Stelle, jedes Haar, jeden Fleck.
Manchmal schaut sie auch zu mir...,
doch dann zieh ich schnell das Tele weg...
(Tempowechsel!...wieder langsam, schmierig) und dann tu ich nur su... als bänd ich (mir zufällig am Fenster) gerade den Schuh..., ganz fest zu... trulululu... ich bind nur mein Schuh... (pfeifen...)

Immer noch sechzehn
© Jule Ronstedt, 1998
Ich geh' jetzt auf die dreißig zu,
jung sein ist bald ein Tabu.
Sovieles ist noch nicht getan,
ich hab immer noch kein Weisheitszahn,
und erliege keinem Fitnesswahn.
Ich eß immer noch gern Süßigkeiten,
weine los, wenn andre streiten,
beim Wäschewaschen färb' ich alles blau: Ich bin ein Kind und keine Frau!

Ref.: (Dusiedusidusie...)
Du kannst „Du“ zu mir sagen und nach meinem Alter fragen,
mich auf deinen Schultern tragen, wenn du willst,
...wenn du mir jeden Wunsch erfüllst!
Ich bin noch nicht groß,
das denkt man bloß.
Ich noch ganz klein, und dumm, und jung und gar nicht souverän.
Ich bin immer noch sechzehn! ...schalalala....

Autoritär-sein fällt mir schwer,
als Vorbild geb´ich nicht viel her:
Ich kann immer noch schlecht verliern,
nicht „gut“ von „böse“ differenziern,
mich nicht hübsch schminken und frisiern,
geschweige denn ´nen Mann verführn. (-wozu auch?-)
Kann schlecht auf hohen Schuhen gehen,
Kann kein Blut im Fernsehn sehn.
Obwohl ich selber merke, ich werd grau: Bin ich ein Kind und keine Frau!

Ref.:
Wdh.

Es gibt Dinge, die lern ich nie:
Gut Autofahrn und Alpinski.
Ich schlafe noch mit Kuscheltier,
werde rot, wenn ich mich zier,
spiele immer noch nicht gut Klavier. (Pianistin:-wozu auch?-)
Ich lieb es Töpfe auszulecken,
und hasse es, den Tisch zu decken.
Ich brauch viel Liebe und Geduld,
geht was kaputt, hab ich nie Schuld.
Ich leb´ nach dem Lolita-Prinzip
- dann hat mich jeder lieb!

Ich wär' so gern
© Jule Ronstedt, 1998
Ich wär so gern
ein Fußballfeld,
weil so ein Feld
den meisten Männern dieser Welt so gut gefällt.

Ich wär häufig im TeVau,
wäre grün statt ständig blau.
Männer würden mich bespielen,
sich dabei wie Helden fühlen,
würden kämpfen, weinen, siegen
wenn sie falln, sich an mich schmiegen,
auf mir endlich mal Gefühlsausbrüche kriegen.
Sind sie außer Rand und Band
hielt ich ihnen allen Stand.
Auch für die auf den Tribünen
würde ich saftig ergrünen,
würde täglich sehr gepflegt,
weil man auf mich viel Wert legt.
Ein Blick auf mich und jedes Männerherz vergeht.

Ich wär so gern
ein Zeitungsblatt,
weil so ein Blatt
setzt jede Frau bereits am Frühstückstisch schachmatt.

Man ginge für mich weite Wege,
wenn ich nicht schon zu Hause läge.
Nähm mich zärtlich in Empfang
und befaßt sich mit mir lang.
Männer würden in mich schauen
und mir grenzenlos vertrauen,
mich behutsam unter ihrem Arm verstauen.
Überallhin würd man mich mitnehmen,
ich wär voll interessanter Themen.
Hielte mich mit beiden Händen,
um sich ganz mir zuzuwenden.
Ich würde endlich mal seziert,
lang beschaut und diskutiert.
Ein Mann wär auf mich stundenlang sehr konzentriert.

Ich wär so gern
´ne Flasche Wein,
weil durch den Wein
fühlen sich die Männer nicht mehr so allein.

Man würde an mir riechen, nippen,
mich voll Freude in sich kippen.
Wär ich ein paar Jahre drüber,
hätte man mich umso lieber!
Würd mich bei Kerzenschein genießen,
Grundsätzliches mit mir beschließen,
wär zu wertvoll um mich einfach wegzugießen.
Ich würd den Horizont erweitern,
Trauerklöße schnell erheitern.
Wer mich an die Lippen führt,
wär von mir sofort stimuliert.
Witz,Entspannung, Sinnlichkeit
macht sich durch meinen Einfluß breit.
Ich bin das was ihm Mut und Selbstvertraun verleiht.

Doch ich bin nur
´ne kleine Frau,
und so ´ne Frau
wird aus ´nem Mann so selten schlau.

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